Darmkur bei Hunden mit Allergien: Warum der Darm oft der Schlüssel ist

Darmkur bei Hunden mit Allergien: Warum der Darm oft der Schlüssel ist

Inhalt

    Allergien bei Hunden nehmen kontinuierlich zu. Immer häufiger zeigen sich Hautprobleme, Juckreiz, Verdauungsbeschwerden oder chronische Entzündungen als Ausdruck eines überreizten Immunsystems.

    Eine zentrale Rolle bei der Entstehung allergischen Reaktionen spielt der Darm. Im Verdauungstrakt befindet sich ein Großteil des Immunsystems - das sogenannte GALT Gewebe, Gut Associated Lymphoid Tissue. Ist die Darmflora gestört, kann dies direkte Auswirkungen auf die Abwehrkräfte haben – insbesondere bei Hunden, die genetisch zu Allergien neigen.

    Warum der Darm das Zentrum der Abwehr ist

    Eine gezielte Darmkur kann helfen, die Darmgesundheit zu stabilisieren und dadurch auch das Immunsystem nachhaltig zu unterstützen. Bei vielen allergischen Reaktionen handelt es sich nicht um unmittelbare Reaktionen auf Nahrungsmittel, Pollen oder Umweltstoffe, sondern um komplexe Immunantworten, die durch Vorschädigungen der Darmschleimhaut und eine Dysbiose (Fehlbesiedlung des Darms) begünstigt werden.

    Über eine geschwächte Darmbarriere können unerwünschte Stoffe leichter in den Organismus gelangen und dort zu Überreaktionen führen. Eine effektive Darmkur zielt deshalb nicht nur auf die „Reinigung“ des Verdauungstraktes ab - vielmehr auf eine Regeneration der Bakterienvielfalt und Wiederherstellung der Barrierefunktion der Darmschleimhaut.

    Wenn die Barriere bricht: Das Leaky-Gut-Syndrom

    Dies kann insbesondere bei einem häufig im Zusammenhang mit Darmerkrankungen auftretenden Syndrom von Vorteil sein, dem “Leaky-Gut”. Dabei entsteht eine krankhaft erhöhte Durchlässigkeit der Darmwände. Normalerweise funktioniert die Darmschleimhaut als Barriere, die das Eindringen schädlicher Substanzen wie Bakterien, Toxine und unverdauter Nahrung in den Blutstrom verhindert. Bei Leaky-Gut wird diese Barriere für Fremdstoffe durchlässig, was zu einer Vielzahl gesundheitlicher Probleme führen kann.

    Mögliche Ursachen für Darmschäden und Leaky-Gut

    • Ungesunde Ernährung mit hohem Kohlenhydratgehalt, Gluten und Getreide sowie stark verarbeitete Nahrung mit einem Überschuss an Omega-6 Fetten aus Pflanzenölen können die Darmschleimhaut schädigen.
    • Chronischer Stress kann die Darmgesundheit negativ beeinflussen.
    • Antibiotika und Medikamente können das Mikrobiom im Darm schwächen oder zerstören.
    • Nahrungsmittelunverträglichkeiten können Entzündungen im Darm auslösen.

    Symptome von Darmschäden und Leaky-Gut

    • Verdauungsprobleme wie Blähungen, Durchfall oder Verstopfung
    • Hautprobleme wie Ekzeme oder Ausschläge
    • Müdigkeit und Erschöpfung
    • Allergische Symptome wie Ausschläge, Juckreiz, Fellprobleme und Ausfluss an den Ohren

    Vorteile einer Darmkur

    Besonders bei Hunden mit chronischen Verdauungsproblemen, Futtermittelunverträglichkeiten oder Hautausschlägen kann eine Darmkur einen entscheidenden Unterschied machen. Dabei spielt die Auswahl geeigneter Präparate ebenso eine Rolle wie die richtige Reihenfolge der Maßnahmen:

    1. Entgiftung
    2. Aufbau der Darmflora
    3. Regeneration der Darmschleimhaut

    Dabei werden gezielt natürliche Stoffe wie Kräuter, Probiotika und Präbiotika eingesetzt. Gleichzeitig muss die Ernährung an besondere Bedürfnisse angepasst werden, um allergieauslösende Bestandteile zu vermeiden.

    Eine Darmkur ersetzt dabei keine tierärztliche Diagnose, sie kann jedoch begleitend oder präventiv eingesetzt werden – vor allem, wenn der Fokus auf einem ganzheitlichen Ansatz liegt. Wie eine solche Kur aufgebaut sein kann, worauf geachtet werden sollte und welche natürlichen Mittel sinnvoll sind, zeigt dieser Artikel im Detail.

    Gesundes Hundefutter als Basis für eine Darmkur

    1. Allergien beim Hund: Warum der Darm eine wichtige Rolle spielt

    Die Ursachen von Allergien bei Hunden sind vielfältig: Neben genetischen Faktoren und Umweltbelastungen spielt die Ernährung eine zentrale Rolle. Eine gestörte Darmflora, auch Dysbiose genannt, wird zunehmend als Mitverursacher allergischer Reaktionen erkannt. Dabei zeigt sich, dass viele Hunde mit Hautproblemen, chronischem Juckreiz oder Magen-Darm-Störungen auch eine veränderte Bakterienbesiedlung im Darm aufweisen. Dies beeinflusst nicht nur die Verdauung, sondern auch das Immunsystem, das zu einem großen Teil im Darm lokalisiert ist.

    Das „Leaky Gut“-Syndrom

    Gerät das empfindliche Gleichgewicht im Verdauungstrakt aus der Balance, wird die Darmschleimhaut durchlässiger für Schadstoffe. Bei diesem sogenannten „Leaky Gut“-Syndrom (durchlässiger Darm) öffnen sich die Verbindungen zwischen den Zellen der Darmschleimhaut (Tight Junctions). Die Folge: Unverdaute Nahrungsbestandteile, Toxine und Keime können ungefiltert in die Blutbahn gelangen.

    Das Immunsystem erkennt diese Stoffe als Eindringlinge und reagiert mit Entzündungen und der Bildung von Antikörpern – eine typische Allergiesymptomatik entsteht.

    Studien zeigen, dass eine erhöhte Darmdurchlässigkeit oft mit atopischer Dermatitis (allergischen Hauterkrankungen) korreliert (vgl. Hensel et al., BMC Veterinary Research, 2015).

    Durch eine gezielte Darmkur lässt sich dieser Kreislauf durchbrechen. Ziel ist es, die Schleimhaut zu regenerieren, die natürliche Bakterienvielfalt wiederherzustellen und somit die Reizanfälligkeit des Immunsystems zu senken.

    Auch bei anderen Krankheitsbildern wie Arthrose oder Krebs wurde ein Zusammenhang mit der Darmgesundheit und chronischen Entzündungsprozessen festgestellt, was die übergeordnete Bedeutung des Darms unterstreicht. Für eine intakte Darmflora zu sorgen ist daher für jeden Hund (und auch Menschen) oberste Priorität, um schwerwiegende chronische Erkrankungen zu vermeiden und so für ein langfristig gesundes Leben zu sorgen.

    2. Die Darm-Haut-Achse: Anzeichen für eine gestörte Flora

    Erste Anzeichen von Darmproblemen zeigen sich bereits sehr früh an der Hautgesundheit. Eine aus dem Gleichgewicht geratene Darmflora äußert sich nicht immer sofort in offensichtlichen Verdauungsbeschwerden wie Durchfall. Vielmehr zeigen sich die Symptome häufig an anderen Stellen des Körpers. Grund dafür ist die Verbindung zwischen den Organen Darm und Haut über die sogenannte „Darm-Haut-Achse“ (Gut-Skin Axis). Die Haut fungiert oft als „Spiegel des Darms“ und als Ausscheidungsorgan, wenn Leber und Darm überlastet sind.

    Typische Anzeichen einer Dysbiose bei Hunden sind:

    • Wiederkehrende Hautentzündungen (Hotspots)
    • Chronische Ohrenentzündungen und Ausfluss (oft durch Hefepilze begünstigt, insbesondere nach Antibiotikagabe)
    • Ständiges Lecken der Pfoten (Juckreiz)
    • Erhöhte Infektanfälligkeit
    • Stumpfes, brüchiges Fell

    Auch klassische Symptome wie Blähungen, wechselnde Kotkonsistenz, Appetitlosigkeit oder schleimiger Kot können auf eine Dysbiose hinweisen. Dabei werden häufig isolierte Symptome behandelt (etwa mit Salben oder Antibiotika), obwohl sie meist Ausdruck einer tieferliegenden Störung sind. Ein Ungleichgewicht der Bakterien im Darm kann zu einem dauerhaften Reizzustand führen, der wiederum das Immunsystem in ständige Alarmbereitschaft versetzt. Pilze sind immer im Darm vorhanden und stellen im gesunden Zustand keine Gefahr dar. Fehlen jedoch gesundheitsfördernde Bakterien, etwa nach Antibiotikagabe oder aufgrund von chronischer Fehlernährung, so entsteht eine Überwucherung des Darms mit Pilzen, die sich dann an Haut, Ohren oder Pfoten sowie in chronischen Erkrankungen zeigen kann.

    In solchen Fällen kann eine Darmkur gezielt eingesetzt werden, um die Bakterienbesiedlung zu normalisieren und die Immunreaktionen zu modulieren. Ergänzend dazu ist ein Ernährungscheck sinnvoll, wie etwa bei Hunden, die unter Übergewicht oder Futterunverträglichkeiten leiden. Eine schlechte Ernährung begünstigt nicht nur Allergien, sondern auch Schädigungen der Darmflora.

    3. Ablauf einer Darmkur: Phasen und Zielsetzung

    Eine effektive Darmsanierung bei Hunden ist kein Prozess von wenigen Tagen. Um nachhaltige Ergebnisse zu erzielen, wird meist ein Zeitraum von 4 bis 8 Wochen empfohlen, unterteilt in aufeinander abgestimmte Phasen:

    Phase 1: Reinigung und Entgiftung

    Zunächst steht die Entlastung des Körpers im Vordergrund. In dieser ersten Phase werden Stoffwechselrückstände, Toxine und Gärgase gebunden und ausgeleitet. Unterstützt wird dies häufig durch Kräuterextrakte und Bitterstoffe wie Mariendistel, Löwenzahn oder Artischocke, die Leber und Galle anregen. Parallel dazu kann der Einsatz von mineralischen Erden wie Heilerde, Zeolith oder Bentonit sinnvoll sein, um Schadstoffe im Darm zu binden, so dass sie ausgeschieden werden können.

    Wichtiger Anwendungshinweis zu mineralischen Erden: Da Zeolith und Bentonit sehr bindungsfähig sind, sollten sie immer mit einem zeitlichen Abstand von mindestens 2 Stunden zu Medikamenten, wichtigen Futterzusätzen und der Nahrung gegeben werden. Ansonsten würden diese ebenfalls gebunden und unwirksam ausgeschieden.

    Phase 2: Aufbau der Darmflora (Mikrobiom)

    Die zweite Phase dient der Wiederbesiedelung des Darms mit positiven Organismen. Hier kommen Probiotika und Präbiotika zum Einsatz. Probiotika liefern lebende, nützliche Mikroorganismen (wie Enterococcus faecium oder Lactobacillus acidophilus), während Präbiotika (wie Akazienfaser und andere Faserstoffe) die Ernährung dieser Bakterien sicherstellen. Studien zeigen, dass bestimmte probiotische Stämme wie Lactobacillus rhamnosus und Lactobacillus reuteri langfristig immunmodulierende Effekte haben und atopische Dermatitis beim Hund lindern können (vgl. Marsella et al., Veterinary Dermatology, 2012).

    Doch die Wirkung reicht weit über den Darm hinaus. Da der Organismus ein vernetztes System ist, profitieren zahlreiche weitere Körperfunktionen von einer gesunden Bakterienvielfalt:

    • Immunsystem: Modulation und Stärkung der körpereigenen Abwehr (etwa 80 % der Immunzellen befinden sich im darmassoziierten lymphatischen Gewebe).
    • Nährstoffaufnahme: Verbesserte Bioverfügbarkeit von Vitalstoffen und eigenständige Bildung wichtiger Vitamine (z. B. Vitamin K und B-Vitamine).
    • Hormone & Stimmung: Produktion essenzieller Botenstoffe wie Serotonin (Darm-Hirn-Achse), was zu mehr innerer Ruhe und Ausgeglichenheit führt.
    • Energielevel: Steigerung der Vitalität durch Entlastung des Stoffwechsels und effizientere Energiegewinnung.
    • Haut & Fell: Förderung eines glänzenden Fells, gesunder Hautbarriere und klarer Augen durch die Reduktion systemischer Entzündungsprozesse.

    Phase 3: Regeneration der Darmschleimhaut

    In der dritten Phase geht es darum, die Barrierefunktion zu stärken. Schleimhautaufbauende Stoffe wie L-Glutamin, Omega-3-Fettsäuren und Pflanzenstoffe (z. B. Ulmenrinde) fördern die Reparatur der „Tight Junctions“. Diese Phase ist besonders wichtig bei Hunden mit „Leaky Gut“-Syndrom, da hier die Reizanfälligkeit des Immunsystems besonders hoch ist.

    Ein gut strukturierter Ablauf sorgt für eine nachhaltige Wirkung. Wichtig ist, die einzelnen Phasen individuell auf den Hund abzustimmen. Auch andere Erkrankungen wie Gallenprobleme oder Stoffwechselstörungen können dabei berücksichtigt werden.

    4. Welche natürlichen Mittel unterstützen die Darmkur?

    Bei der Durchführung einer Darmkur stehen natürliche Mittel im Vordergrund, die sanft und dennoch effektiv wirken. Die Naturapotheke bietet hierbei potente Helfer:

    • Leberunterstützung: Pflanzenstoffe wie Löwenzahn, Mariendistel und Kurkuma fördern neben der Verdauung auch die Entgiftungsleistung von Leber und Niere.
    • Probiotika & Präbiotika: Bakterienstämme wie Enterococcus faecium stabilisieren das Milieu, während Akazienfaser oder Oligofruktose als Nährstoffe für positive Bakterien dienen.
    • Schleimhautschutz: Heilpflanzen wie Eibischwurzel, Leinsamen oder Amerikanische Ulmenrinde (Slippery Elm) erzeugen einen schützenden Schleimfilm auf den gereizten Darmwänden.
    • Entzündungshemmung: Omega-3-Fettsäuren aus hochwertigem Lebertran oder Algenöl wirken systemischen Entzündungen entgegen und stabilisieren die Zellmembranen der Darmschleimhaut.
    • Darmnahrung: Die Aminosäure L-Glutamin ist der wichtigste Energielieferant für die Zellen der Darmschleimhaut und unterstützt deren schnelle Regeneration.

    Wichtig ist, dass alle eingesetzten Mittel gut verträglich und frei von künstlichen Zusatzstoffen sind – insbesondere bei Hunden mit Allergien. Die Kombination ermöglicht eine gezielte Unterstützung des gesamten Verdauungstrakts. Dabei kann auch die Wahl des richtigen Futters entscheidend sein. Besonders bei bestehenden Erkrankungen wie Leishmaniose oder anderen immunbedingten Erkrankungen muss auf eine belastungsarme Fütterung geachtet werden.

    5. Ernährung während und nach der Darmkur

    Während der Darmkur

    Während einer Darmkur ist die Ernährung von entscheidender Bedeutung. Viele Fertigfuttermittel enthalten problematische Zusatzstoffe, minderwertige Proteinquellen (wie tierische Nebenerzeugnisse, Getreide oder Innereien aus Massentierhaltung) oder unnötige Füllstoffe, die die Darmschleimhaut zusätzlich belasten und Entzündungen fördern (pro-inflammatorisch wirken). Deshalb empfiehlt sich der Umstieg auf eine naturbelassene Nahrung, die möglichst keine potenziellen Allergene enthält.

    Insbesondere während der Kur sollte das Futter frei von Weizen, Soja, Mais, Reis, künstlichen Aromen und Konservierungsstoffen sein. Stattdessen bieten sich Futtersorten an, die kein Getreide und nur eine Fleischsorte enthalten, oder auch selbstgekochte Rationen, bei denen die Inhaltsstoffe exakt kontrolliert werden können. Auch eine purinarme Ernährung kann sinnvoll sein – etwa bei empfindlichen Rassen wie Dalmatinern oder Bulldoggen, wie im Beitrag „Purinarmes Hundefutter für Dalmatiner“ erläutert wird.

    Nach der Darmkur

    Nach Abschluss der Darmkur ist es wichtig, den Organismus nicht erneut durch belastende Futtermittel zu irritieren. Eine dauerhafte Umstellung auf eine hochwertige und auf den Hund abgestimmte Ernährung unterstützt die langfristige Darmgesundheit.

    Unterstützende Kräuter und pflanzliche Nahrungsergänzung im Anschluss

    Zusätzlich helfen auch Kräuter und pflanzliche Nahrungsergänzungen, den positiven Effekt der Kur zu erhalten. Der Fokus liegt hierbei auf mehreren Säulen:

    • Schleimhautschutz (Mucilaginosa)
    • Abdichtung der Darmwand (Tight Junctions)
    • und Entzündungshemmung

    Pflanzliche Helfer für die Langzeitpflege des Darms

    Um die regenerierte Darmschleimhaut nachhaltig zu schützen und ein erneutes „Leaky Gut“-Syndrom zu verhindern, haben sich in der phytotherapeutischen Praxis folgende natürliche Mittel bewährt:

    • Amerikanische Ulmenrinde (Slippery Elm): Die Rinde der Rotulme ist reich an Polysacchariden, die in Verbindung mit Wasser einen gelartigen Schleim bilden. Dieser legt sich wie ein Schutzfilm über die Magen- und Darmschleimhaut. Studien deuten darauf hin, dass diese Schleimstoffe Reizungen lindern und die Barrierefunktion gegenüber Säuren und Toxinen stärken können (vgl. Watts et al., Journal of Investigational Biochemistry und Langmead et al.). Sie eignet sich besonders zur dauerhaften Begleitung bei empfindlichen Mägen.
    • Huminsäuren (Moor): Natürliche Huminsäuren besitzen die Fähigkeit, Schadstoffe (wie Schwermetalle oder Glyphosat) im Darm zu binden und auszuscheiden, bevor diese in den Organismus gelangen. Zusätzlich legen sie sich schützend über die Darmzotten und können wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge die Abdichtung der sogenannten „Tight Junctions“ fördern. Dies ist essenziell, um Rückfälle bei Allergikern zu vermeiden.
    • Omega-3-Fettsäuren (Algenöl und Lebertran): Chronische Darmentzündungen werden oft durch ein Ungleichgewicht von Omega-6- zu Omega-3-Fettsäuren befeuert. Die Zufuhr von EPA und DHA und Vitamin A (aus kaltgepresstem Lebertran) kann entzündungshemmend auf die Zellmembranen wirken. Dies unterstützt nicht nur den Darm, sondern – wie im Beitrag über IBD beim Hund beschrieben – den gesamten Organismus.
    • Weihrauch (Boswellia serrata) & Kurkuma: Beide Pflanzenstoffe sind für ihre stark entzündungshemmenden Eigenschaften bekannt. Curcumin (aus der Kurkumawurzel) fördert zudem den Gallenfluss und unterstützt die Leber bei der Entgiftung. In Kombination können diese Extrakte helfen, stille Entzündungen im Darmgewebe (Silent Inflammation) langfristig niedrig zu halten.

    Ein gesunder Darm bedeutet nicht nur weniger Allergien, sondern auch mehr Vitalität und Lebensfreude. Gerade bei Hunden mit chronischen Beschwerden oder älteren Tieren lohnt sich die Investition in eine hochwertige Fütterung als Grundlage für nachhaltige Gesundheit.

    6. Wann ist eine Darmkur sinnvoll - und wann (noch) nicht?

    Eine Darmkur kann bei vielen Beschwerden unterstützend wirken, sollte jedoch immer mit Bedacht eingesetzt werden. Besonders sinnvoll ist sie bei Hunden mit diagnostizierten Allergien, häufigen Hautproblemen, wiederkehrenden Verdauungsstörungen oder schlechtem Allgemeinzustand. Auch bei Stress, Medikamentengabe (z. B. Antibiotika oder Wurmkuren) oder nach einer Erkrankung bietet sie eine Möglichkeit zur Regeneration.

    Die psychische Komponente (Darm-Hirn-Achse): Es ist wissenschaftlich belegt, dass der Darm und das Gehirn über den Vagusnerv kommunizieren. Eine gestörte Darmflora kann daher auch das Verhalten beeinflussen. Bei ängstlichen oder gestressten Hunden kann eine Sanierung des Mikrobioms oft zu mehr Gelassenheit führen (vgl. McGowan et al., Applied Animal Behaviour Science, 2018).

    Weniger geeignet ist eine intensive Entgiftungskur in akuten, schweren Krankheitsphasen, wenn der Körper stark geschwächt ist. In solchen Fällen sollte zunächst eine tierärztliche Stabilisierung erfolgen. Auch bei bestimmten Autoimmunerkrankungen oder hormonellen Dysbalancen ist eine individuell abgestimmte Herangehensweise notwendig – wie beispielsweise im Zusammenhang mit hormonellen Störungen, die durch Futterbestandteile ausgelöst werden können.

    Als Teil einer ganzheitlichen Gesundheitsstrategie bietet die Darmkur jedoch großes Potenzial, insbesondere wenn sie in Kombination mit einer hochwertigen Ernährung, Nahrungsergänzung, Bewegung und Stressreduktion eingesetzt wird. Auch im Alter oder bei altersbedingten Erkrankungen wie Hundedemenz kann die Stabilisierung des Immunsystems durch eine gesunde Darmflora unterstützend wirken.

    7. Fazit: Darmgesundheit als Schlüssel zur Allergieprävention

    Allergien bei Hunden sind häufig ein Ausdruck innerer Ungleichgewichte – insbesondere im Verdauungstrakt. Eine gezielte Darmkur kann dabei helfen, das Immunsystem wieder ins Gleichgewicht zu bringen, chronische Reizzustände zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Dabei ist nicht nur der Einsatz bestimmter Mittel entscheidend, sondern auch das richtige Timing, eine fundierte Analyse und die begleitende Umstellung der Ernährung.

    Viele Hundehalter berichten nach einer Darmkur von deutlichen Verbesserungen – weniger Juckreiz, bessere Verdauung, gesteigerte Lebensfreude. Wichtig ist, den gesamten Prozess individuell auf den jeweiligen Hund abzustimmen. Ein einmaliges Vorgehen bringt oft nur kurzfristige Erfolge. Nachhaltigkeit entsteht vor allem durch konsequente Umsetzung und eine gesunde Lebensweise im Anschluss.

    Auch bei chronischen Erkrankungen oder wiederkehrenden Schüben wie bei Leishmaniose kann eine Darmkur unterstützend eingesetzt werden. Denn ein stabiler Darm schützt nicht nur vor Allergien, sondern stärkt den gesamten Organismus – von der Verdauung über die Haut bis zur Psyche des Hundes.

    Die gezielte Pflege des Darms ist somit kein kurzfristiger Trend, sondern ein elementarer Bestandteil jeder ganzheitlichen Gesundheitsstrategie für Hunde.


    Quellen & Studien

    1. Hensel, P. et al. (2015). Canine atopic dermatitis: detailed guidelines for diagnosis and allergen identification. BMC Veterinary Research. (Untersucht Zusammenhänge zwischen Allergien und Immunreaktionen). Link zur Studie
    2. Cardoso et al. (2025). Efficacy of Lacticaseibacillus rhamnosus GG in the treatment of canine atopic dermatitis: A randomized controlled study. Braz J Microbiol. 2025. Link zur Studie
    3. McGowan, R.T.S. et al. (2018). Anxiety and behavioral disturbances as a result of gut microbiota dysbiosis. Applied Animal Behaviour Science. (Thematisiert die Darm-Hirn-Achse beim Hund).
    4. Schmitz, S.S. (2018). Value of probiotics in canine and feline gastroenterology. Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice. (Übersicht zur Wirksamkeit von Probiotika bei Magen-Darm-Erkrankungen). Link zur Studie
    5. Watts, C. R., & Rousseau, B. (2012). Slippery Elm, its Biochemistry, and use as a Complementary and Alternative Treatment for Laryngeal Irritation. Journal of Investigational Biochemistry. Link zur Studie
    6. Langmead, L. et al. (2002). Antioxidant effects of herbal therapies used by patients with inflammatory bowel disease: an in vitro study. Aliment Pharmacol. Link zur Studie

    Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient der allgemeinen Information über Zusammenhänge zwischen Darmgesundheit und Allergien. Er ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei akuten oder chronischen Erkrankungen sollte immer Rücksprache mit einem Tierarzt gehalten werden.